Einleitung
„Ohne Huf kein Pferd“ ist
ein oft zitierter Satz, der in bestechender Klarheit die
Wichtigkeit gesunder Hufe für das Wohlbefinden und die
Nutzbarkeit eines Pferdes beschreibt.
Ein
Pferd mit vernachlässigten Hufen hat Schmerzen, leidet
unter erhöhtem Verschleiß und wird über kurz oder lang
krank. Daher erhält eine regelmäßige Hufpflege nicht nur
die Nutzbarkeit eines Pferdes, sondern ist vor allem eine
Frage des Tierschutzes.
Beanspruchung
Unter heutigen Haltungsbedingungen, sei es im
Offenstall oder in der Box, besteht selten Gleichgewicht
zwischen Hornwachstum und Abrieb – die Hufe werden zu lang,
die Belastung der Gliedmaßen wird erhöht und Fehlstellungen
verschlimmern sich. Der Feuchtigkeitshaushalt ist
unnatürlich, entweder überwiegen Trockenheit oder Nässe,
was entweder zu spröden, brüchigen Hufen oder zu weichem,
von Fäulnis befallenem Horn führt. Die moderne Zucht hat in
vielen Fällen schlechte Hornqualität und Fehlstellungen der
Gliedmaßen mit sich gebracht; hier muß für Schutz und
Korrektur gesorgt werden. Bei regelmäßigem Reiten im
Gelände und für die besondere Beanspruchung beim Springen
oder Fahren ist meist ein Beschlag als Verschleiß- oder
Gleitschutz notwendig.
Korrekturen
Jede Korrektur von Gliedmaßenfehlstellungen und
Hufformen nach dem Fohlenalter ist sehr langfristig und
aufwendig, da jede abrupte Veränderung Sehnen und Gelenke
übermäßig belastet. Oft geht es nur noch darum, Probleme so
klein wie möglich und die Pferde am Laufen zu halten. Hier
stehen eine Vielzahl von Möglichkeiten bei der
Hufzubereitung und beim Beschlag zur Verfügung, die jedoch
individuell angewandt werden müssen. Denn es existieren
dafür ungezählte Theorien, die sich oft direkt
widersprechen, aber dennoch jeweils zum Erfolg führen
können. Deshalb muß, basierend auf dem Erlernten und der
Erfahrung, für jedes Pferd die passende Vorgehensweise
gefunden werden. Im Vordergrund steht sicherlich der
Kompromiß zwischen Behandlung oder Korrektur auf der einen
und Nutzung des Pferdes auf der anderen Seite!
Gangpferdebeschlag
Gangpferde besitzen Paß, Tölt, Walk oder andere,
über die Grundgangarten Schritt, Trab, Galopp hinausgehende
Gangvariationen. Sie werden bevorzugt auf festem, eher
hartem Boden, viel im Gelände und in verhältnismäßig
flottem Tempo geritten. Hier liegt die Notwendigkeit eines
Hufschutzes nahe.
Gangpferde reagieren, ähnlich wie Renntraber, deutlich auf
durch den Beschlag beeinflußbare Faktoren wie Huflänge,
Hufwinkel, Eisengröße, Gewicht, Auftrittsfläche oder
Zehenrichtung. Dies bringt eine Menge Möglichkeiten zur
Unterstützung der Ausbildung und Präsentation im
Turniersport mit sich, birgt aber auch die enorme Gefahr
der Manipulation, sei es aus Ehrgeiz oder mangelnder
Reitkunst. Dies ist allein schon aus Tierschutzgründen
abzulehnen. Ausbilder, Reiter und Hufschmied müssen sich
daher der anwendbaren Maßnahmen und ihrer Konsequenzen
bewußt sein, um sie pferdegerecht und sinnvoll
einzusetzten.